Schmales Buch mit breitem Inhalt
Liebe Leser*innen, heute haben wir einen Buchtipp im wöchentlichen Blog-Beitrag!
Bereits vor einigen Jahren erschien „Autismus-Spektrum-Störungen bei Erwachsenen“ von Andreas Riedel und Jens Jürgen Clausen im Psychiatrie Verlag. 2024 erschien die 3. durchgesehene Auflage. Der als Dr. med. und Dr. phil. promovierte Arzt Andreas Riedel leitete in Luzern die Spezialsprechstunde für Autismus-Spektrum-Störungen im Erwachsenenalter und Professor Dr. Jens Jürgen Clausen (Erziehungswissenschaftler und Analytischer Gruppentherapeut) lehrt im Studiengang Heilpädagogik an der Katholischen Hochschule Freiburg.
Der schmale Band, in der Reihe PraxisWissen erschienen, ist mit knapp über 150 Seiten kein erschöpfendes Werk, erinnert aber an die magische Tasche von Mary Poppins, aus der sie nahezu unendlich viele Gegenstände herauszieht, die alle unmöglich in die Tasche passen können.
Neben einer kurzen Einführung in das klinische Bild des Autismus, nebst einer knappen historischen Übersicht, weiteren Daten aus der Forschung zu Ursachen und Häufigkeit, gibt es Übersichten für Helfende und Informationen zu therapeutischen Zugängen, kurze Übersichten zum Thema der heterogenen Lebenswelten von Autist*innen und Informationen zu rechtlichen Aspekten. Das Thema Kommunikation und Probleme im Umgang mit erwachsenen Autist*innen, häufige Fehler, die im Umgang gemacht werden und in therapeutischen Settings vielfach auftauchende Themen sind ebenfalls Inhalte des Buchs. Selbstverständlich können die einzelnen Themenfelder in dieser einführenden Publikation nicht erschöpfend behandelt werden. Allerdings schaffen die Autoren einen einfühlsamen Zugang, der sich sowohl an Lai*innen wendet, als auch an Fachpersonal. Wie zu Beginn des Buches, so auch am Schluss, wird deutlich, dass sich die Autoren darum bemühen, den Blick der Fachwelt zu weiten und auch neurotypische Wahrnehmung zu hinterfragen.
Meinerseits gibt es nur einen einzigen Kritikpunkt: Viele netzaffine erwachsene Autist*innen und Aktivist*innen bevorzugen den Ausdruck „Autist“ statt „Mensch mit Autismus“. Selbstverständlich ist auch das nicht homogen, die Tendenz ist allerdings vorhanden. Im Buch wird von „Menschen aus dem Autismusspektrum“ gesprochen. Damit werden sich einige erwachsene lesende Autist*innen möglicherweise nicht wohl fühlen. Aus meiner Sicht ist den Autoren aber ein respektvoller Ton zuzurechnen und das Buch ist vor einigen Jahren entstanden. (Zum Thema der „Identität zuerst“-Bezeichnung gibt es hier einen interessanten, englischsprachigen Artikel.)
Das Buch ist für 22,00 Euro über den lokalen Buchhandel zu bestellen. Dr. Andreas Riedel ist in den vergangenen Jahren auch (Mit-)Autor zahlreicher Studien und wissenschaftlicher Artikel zum Thema Autismus gewesen. Über eine Google-Suche (bzw. Google Scholar) finden sich viele dieser Publikation Open Access im Netz.
Roma M. Mukherjee
Bildbeschreibung:
Eine Hand hält ein Buch. Im Hintergrund ein grüner Strauch, Sonne scheint auf das Buchcover.
Das Buch hat ein weißes Cover, zum linken Rand einen grünen Balken. Es ist ein schwarzer Kreis zu sehen auf dem ein rotes Piktogramm einer stehenden Person in Pixeln dargestellt ist und eine aus dem Kreis laufende Person als gestricheltes grünes Piktogramm. In grüner Schrift zu lesen ist im unteren Drittel der Titel (Zitat Anfang) „Autismus-Spektrum-Störungen bei Erwachsenen“ (Zitat Ende). Oben mittig in schwarzer Schrift sind die Namen der Autoren Andreas Riedel und Jens Jürgen Clausen zu lesen.