Eingangsdiagnostik
Am Anfang jeder Diagnostik steht ein ausführliches Erstgespräch mit dem Kind oder Jugendlichen sowie mindestens einem Elternteil oder einer anderen Bezugsperson. Im Erstgespräch werden der Vorstellungsgrund, die Probleme und Sorgen, aber auch die Stärken des Kindes erfasst. Zudem gibt es eine einführende Aufklärung über die erforderlichen diagnostischen Maßnahmen.
In einem weiteren Gespräch erfolgt eine gründliche Erhebung der Entwicklung des Kindes sowie des Beginns und Verlaufs seiner Probleme. Zusätzlich wird über bisherige Lösungsversuche gesprochen. Erfasst werden auch alle Personen, die das Kind/den Jugendlichen unterstützen.
In vielen Fällen ist gemäß den gültigen Leitlinien eine Intelligenz-Testung erforderlich. Dies gilt zum Beispiel bei Verdacht auf AD(H)S, Lese-/Rechtschreibstörung, Autismus, Depression, soziale Ängste und Schulverweigerung. Ziel der IQ-Testung ist es, eine mögliche Unter- oder Überforderung abzuklären. Zudem lassen sich Hinweise auf mögliche Teilleistungsschwächen (z.B. Hörverarbeitungsstörung oder Defizite bei der räumlich-visuellen Wahrnehmung) aufdecken und die Stärken und Schwächen des Kindes herausfinden. Je nach Fragestellung oder Verdachtsdiagnose (siehe oben) müssen weitere Bereiche untersucht werden. Hierzu werden in der Regel die neuesten Testverfahren eingesetzt. Diese werden zum Teil am iPad oder Laptop, zum Teil per Papier und Bleistift durchgeführt. Als weiteren diagnostischen Baustein stellen wir analoge oder digitale Fragebögen für Eltern, Lehrkräfte sowie die Kinder und Jugendlichen zur Verfügung.
Für die gesamte Diagnostik gilt der Grundsatz: Soviel wie nötig, so wenig wie möglich. Wenn beispielsweise im Lesetest zur Abklärung einer Lesestörung grundsätzlich drei kurze Geschichten vorgelesen werden sollen, aber bereits nach dem Vorlesen einer Geschichte eine klare Lese-Störung erkennbar ist, wird die Testung schon zu diesem Zeitpunkt beendet.
Diagnostik ohne Psychotherapie
In meiner Praxis wird auch eine Diagnostik für Patient*innen angeboten, bei denen grundsätzlich keine Psychotherapie notwendig ist. Dies gilt zum Beispiel bei Lese-/Rechtschreibstörungen, die einer Förderung bedürfen oder bei AD(H)S, wo eine Ergotherapie oder eine medikamentöse Therapie sinnvoll sein können.
Verlaufsdiagnostik
Eine Verlaufskontrolle während der Psychotherapie kann im freien Gespräch, aber auch z.B. mit Depressions- oder Angstfragebögen erfolgen, die sowohl von den Patient*innen als auch den Eltern ausgefüllt werden können.
Intersektionale Aspekte von Diagnostik
Hiermit ist gemeint, dass es häufiger mehrfache Benachteiligungen anhand verschiedener Differenzlinien gibt:
- eine Unterdiagnostizierung von Mädchen (z.B. bei Autismus oder AD(H)S)
- Probleme durch Sprachbarrieren
- Probleme bei Mehrfachdiagnosen
- Diskriminierung bei bestimmten Diagnosen (z.B. sozialen Ängsten)
Wir versuchen, die genannten Punkte zu beachten und Lösungen zu entwickeln.