Jetzt noch eine Homepage erstellen lassen? Wirklich?

Diese Frage haben sich Eberhard Schlie und ich in den vergangenen 5 Jahren mehrfach gestellt. Die psychotherapeutische Praxis für Kinder und Jugendliche gibt es seit 1993 und seit mehr als 25 Jahren gab es die alte AOL-Mailadresse und mehr nicht. Beheimatet in räumlicher Nähe zu einer Kinderarztpraxis und einer ergotherapeutischen Praxis gab es vordergründig keine Notwendigkeit auf das Angebot mittels einer eigenen Webseite hinzuweisen, auch die Örtlichkeit und Anfahrt waren meist bekannt. Noch aus dem analogen Zeitalter kommend wurde diese Entscheidung von uns vielleicht auch nur immer verschoben, denn im medizinischen Bereich war (und ist) auch klassische Werbung eingeschränkt und die Notwendigkeit für eine Präsenz im Internet war nicht unbedingt das, was auf der Agenda ganz oben stand.

Sollten wir also wirklich nach so langer Zeit ohne Homepage noch eine entwerfen (lassen)? Das Für und Wider haben wir lange diskutiert und auch nachdem das „Pro“ längst überwogen hatte, dauerte es noch ein paar Jahre, bis wir im März 2025 endlich „online“ waren. Wie kommt es, dass das so viel Zeit in Anspruch genommen hat?

Vermutlich können Sie/könnt ihr sich/euch vorstellen, dass die Erstellung einer Webseite mit vielen Überlegungen und Arbeitsschritten verbunden ist. Zunächst mussten wir überlegen, was wir benötigen und was wir auf der Webseite, neben den Hinweisen auf die Angebote in unserer Kassenpraxis, abbilden möchten. Dabei entstand auch der Wunsch, die Seite zu nutzen, um etwas Transparenz und Orientierung im manchmal verwirrenden Alltag des Gesundheitssystems zu bieten. Neben der Beantwortung vieler Fragen, die uns häufig gestellt werden und die wir mit dem Menüpunkt FAQ (Frequently Asked Questions) zu beantworten versuchen, entstand in uns der Wunsch, mit einem Blog einen Blick hinter die Kulissen zu ermöglichen und Abläufe, die eventuell nicht allen klar sind, zu schildern und zu erklären.

Nach dieser Überlegung folgte eine der wichtigsten Fragestellungen: Wen möchten wir gerne als Web-Designer*in zur Erstellung der Webseite beauftragen? Dazu habe ich mich auf ausgedehnte Recherche im Netz begeben und mir einige Webseiten von Praxisinhaber*innen aus dem Gesundheitswesen angesehen. Dabei begegneten mir viele Seiten, bei denen es nur eine Landingpage, jedoch keine weiteren Unterseiten, gab. Ebenfalls häufig sah ich Homepages, bei denen sofort zu erkennen war, dass diese weder mit Blick auf Programmierung noch auf das Design professionell erstellt waren. Diese waren für den Auswahlprozess keine Hilfe, da ich gerne via Impressum nachsehen wollte, wer sich für die Gestaltung verantwortlich zeichnete.

Nach ausgedehnter Recherche stieß ich dann auf einige Seiten die, sowohl von der grafischen Umsetzung als auch inhaltlich, mein Interesse weckten. Ich notierte mir, wer diese jeweils designt hatte und schaute mir die Internetpräsenz der Web-Designer*innen an. Ein Auswahl von drei der Firmen/Selbständigen legte ich Eberhard Schlie zur Auswahl vor.

Im Vergleich zu allen anderen Überlegungen zuvor, fiel die Wahl auf „unseren“ Web-Designer dann recht schnell – sein Portfolio fiel uns durch Kreativität, Gestaltung und Beschreibung seines Angebots ausnehmend positiv aus. Wir kontaktierten ihn, machten ein orientierendes Online-Meeting und waren uns schnell einig. Dass es danach noch einige Monate dauerte, hatte nichts mit dem Web-Design zu tun, aber mit unseren fehlenden zeitlichen Ressourcen im Jahr 2024.

Was lange währt, wird endlich gut: Mitte März 2025 war es dann so weit, wir gingen online.

Wenn Sie/ihr die Lektüre bis hierhin durchgehalten habt, dann verraten wir euch natürlich auch (sofern Sie/ihr nicht bereits ins Impressum geschaut haben/habt) wer uns mit seiner Arbeit begeistert hat: Es ist Christian Reister aus Berlin. Unter reister-webdesign.de finden Sie/findet ihr Beispiele seiner entworfenen Webseiten. Natürlich ist er nicht nur im Bereich der Gesundheitsberufe tätig, auch andere Sparten sind vertreten. Wer sich also auch nach längerer freiberuflicher oder gewerblicher Tätigkeit die Frage stellt, ob die Erstellung einer Webseite noch Sinn macht und nach einem Webdesigner sucht, mag sich vielleicht dort umschauen.

Ich wünsche Ihnen/euch eine angenehme Woche!

Roma M. Mukherjee

 

Rückschritt ins letzte Jahrtausend – freier Zugang zur Psychotherapie wird abgeschafft

Eine der wichtigsten Errungenschaften des 1999 eingeführten Psychotherapeutengesetzes war neben der Integration entsprechend qualifizierter Psychotherapeut*innen und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut*innen in das kassenärztliche System die freie Verfügbarkeit der Psychotherapie für alle. Es bedarf aktuell keinerlei Überweisung durch Haus- oder Kinderärzt*innen, sodass ein unmittelbarer und barrierefreier Zugang zur Psychotherapie inklusive der Erstgespräche sowie der neuropsychologischen Diagnostik möglich ist.

Dies hat vor allem für Menschen, die Angst vor einer Stigmatisierung ihrer seelischen Probleme haben, den großen Vorteil, dass sie sich vertrauensvoll direkt an eine psychotherapeutische Fachperson wenden können, ohne zuvor eine ärztliche Überweisung einholen zu müssen. Dies spart zudem Zeit, denn die hausärztlichen und kinderärztlichen Praxen sind bekanntlich chronisch überlastet.

Der neue Koalitionsvertrag zwischen CDU/CSU und SPD sieht nun vor, dass die bisherige, bewährte Regelung abgeschafft und durch ein sogenanntes „verpflichtendes Primärarztsystem“ ersetzt werden soll. In diesem System soll – mit Ausnahme der Augenheilkunde und Gynäkologie – jeder Besuch einer fachärztlichen Praxis nur per Überweisung möglich sein. Dies gilt auch für die Psychotherapie bei kassenzugelassenen Therapeut*innen.

Konkret bedeutet dies, dass Haus- oder Kinderärzt*innen darüber entscheiden werden, wer einer psychotherapeutischen Behandlung oder Diagnostik würdig ist und wer nicht. Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, die durch ihre seelische Probleme oder psychischen Erkrankungen ohnehin schon erheblich belastet sind, wird eine zusätzliche Hürde in den Weg gestellt.

Die zweifelsfrei jetzt schon unzumutbaren Wartezeiten auf jegliche Diagnostik und Therapie werden sich dadurch weiter erhöhen. Die Pläne der Koalition sind aus meiner Sicht zutiefst unsozial und werden insbesondere von Armut Betroffene oder Familien mit Migrationshintergrund sehr hart treffen.

Wenn in einem der reichsten Länder der Welt Einsparungen auf dem Rücken von, durch seelische und körperliche Erkrankungen geschwächten, Familien ausgetragen werden, so widerspricht dies letztlich den Grundsätzen der Humanität.

Übrigens: Wer diese Regelung umgehen möchte, soll mit Gebühren belegt werden. Das schafft nicht nur noch mehr Bürokratie, sondern verschärft soziale Ungleichheit.

Ich werde mich gemeinsam mit meinen Berufsverbänden für eine Herausnahme der Psychotherapie aus diesem Gesetzesentwurf, oder besser noch für eine komplette Streichung einsetzen.

Ihr/euer Hardi Schlie

Warum eine wertschätzende Sprache für Kinder so wichtig ist

Kinder brauchen Empathie und Wertschätzung. Dies gilt nicht nur für unser Verhalten ihnen gegenüber, etwa wenn wir ihnen Nähe, Trost, Schutz und menschliche Wärme geben. Genauso wichtig ist es, mit Bedacht und Augenmaß darauf achten, welche Worte wir beim Sprechen mit Kindern wählen, wenn es um deren Probleme geht.

Wenn in meiner Praxis beispielsweise ein Kind vorgestellt wird, das im Grundschulalter noch Schwierigkeiten bei der Blasenkontrolle hat, dann bitte ich die Eltern, mir zu erzählen, wie sie das Problem im Kontakt mit dem Kind sprachlich benennen. Oft ist dann die Rede davon, dass das Kind „ins Bett gemacht“ oder „in die Hose gepinkelt“ habe. Eltern, die aus Sorge um ihr Kind verständlicherweise belastet sind, ist dabei häufig nicht einmal bewusst, dass diese Wortwahl für Kinder potenziell verletzend sein kann, weil sie die Gefahr des Auslösens von Schuldgefühlen in sich birgt.

Ich bespreche diesen Aspekt mit den Eltern und bitte sie, in Zukunft davon zu sprechen, dass „die Blase übergelaufen“ ist. Damit wird das Problem von der Person des Kindes weggenommen und auf das Organ bezogen, um das es geht. Dies ist in der Regel sehr erleichternd für die Kinder und ermöglicht in der Behandlung eine lösungsorientierte Perspektive, etwa wenn ich mit dem Kind bespreche, dass es lernen kann, „zum Chef oder zur Chefin deiner Blase zu werden“.

Wie eine Behandlung einer Enuresis (so heißt das Problem in der medizinischen Fachsprache) im Einzelnen geschieht, werde ich an anderer Stelle berichten. Für heute noch ein praktischer Tipp für alle geschätzten Leser*innen, wie ihr/Sie eine wertschätzende Sprache für euch selbst einsetzen könnt. Wählt ein kleines Problem aus, welches ihr in den nächsten Tagen zu lösen habt.

Und nun versucht, einen vielleicht aufgekommenen – eher ungünstigen – inneren Satz wie „das werde ich bestimmt nicht hinkriegen“ zu ersetzen durch: „Ich stelle mir vor, wie gut ich mich fühlen werde, wenn ich die Sache gelöst habe.“
Ich wünsche euch/Ihnen allen eine schöne Woche.

Hardi Schlie

Wie Praxy zu uns ins Team gekommen ist

Sicher haben Sie/habt ihr schon Praxy entdeckt – unser grafisches Teammitglied! Falls nicht, könnt ihr hier nachschauen. Wir hatten uns ein Mitglied für unser Team gewünscht, das auf der Webseite unsere Praxisphilosophie bildlich darstellt und uns dadurch im Netz unterstützt. Wir sind seit einigen Jahren Fans der künstlerischen Arbeit von Daniela Schreiter (vielen auch bekannt als Fuchskind).

Ihre Comic-Bücher Schattenspringer (Bände 1-3), in denen es bildlich darum geht, wie es ist als Autist*in zu leben, haben wir natürlich bei uns in der Praxis. Im dritten Band kommen auch, anders als in den ersten beiden Bänden, andere Autist*innen zu Wort und Bild. Daniela Schreiter ist Expertin und Erfahrene, ihre liebevollen und witzigen Zeichnungen machen uns und vielen Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen Freude und können diagnostische und therapeutische Termine wunderbar auflockern.

Für uns war bei der Planung klar, dass wir uns einen Charakter von ihr wünschen. Natürlich kann man Künstler*innen und ihre Zeitnot verstehen – so bekamen auch wir zunächst leider eine Absage. Damit hatten wir uns schon abgefunden und fast hättet ihr die Webseite also ohne unseren Praxy vorgefunden. Aber dann hat Eberhard Schlie letztes Jahr im Netz gelesen, das Daniela Schreiter doch wieder einige wenige Aufträge annehmen würde und er hat direkt nachgefragt. Wir hatten Glück und die Geburt von Praxy konnte stattfinden. Uns hat schon der erste Entwurf begeistert, als Praxy noch ohne Farbe und ohne Gimmicks auf dem Bildschirm vor uns erschien. Liebe auf den ersten Blick!

Es wurde immer bunter und heute können wir uns nicht mehr entscheiden, welchen Praxy (der unterschiedlichen Kategorien) wir am süßesten finden. Den ihr hier im Blog seht ist der, den ihr bei dem Menüpunkt Grundwerte findet. Welcher Ihrer/euer Lieblings-Praxy ist, könnt ihr herausfinden, wenn ihr die verschiedenen Menüpunkte unserer Webseite anschaut. Mehr über Daniela Schreiter und ihre Arbeit finden Sie/findet ihr hier.

Wir wünschen Ihnen/euch einen angenehmen und informativen Aufenthalt auf unserer Webseite.

Eberhard Schlie & Roma Mukherjee

Jetzt geht es los!

Roma: Hallo Hardi! Herzlich Willkommen zu deinem beziehungsweise unserem Blog!*

Hardi: Dankeschön, diesen Gruß gebe ich gerne zurück. Ich freue mich sehr.

Roma: Wir hatten ja vereinbart, dass wir zum Einstieg in den Blog über deinen Werdegang als Psychotherapeut für Kinder und Jugendliche sprechen. Wolltest du das schon immer beruflich machen?

Hardi (lacht): Eigentlich wollte ich Astronom werden, denn ich habe mich als Kind sehr für Sterne und Planeten interessiert. Über das Musik machen und das Geben von Gitarrenunterricht kam ich dann schließlich zum Psychologie-Studium. Dort fand ich das Thema kindliche Entwicklung absolut spannend. Zudem merkte ich – beispielsweise bei Freund*innen, die schon jung Eltern geworden waren – dass ich immer einen sehr guten Draht zu Kindern hatte.

Roma: Mit deiner Kassenpraxis hat es ja nicht angefangen. Wie war der Weg bis dahin nach dem Diplom in Psychologie? Wie sah die weitere Ausbildung aus und welche Erfahrungen hast du in der Praxis gesammelt?

Hardi: Bereits während meines Studiums habe ich eine Ausbildung in klient*innenzentrierter Spieltherapie und danach dann als Paar- und Familientherapeut gemacht. Außerdem bekam ich über eine Studienkollegin die Chance, für ihren Mann, der Kinderarzt war, in seiner Praxis die Entwicklungstestungen zu übernehmen. Nach meinem Diplom überwies dann ein Psychiater aus dem Nachbarort die ersten Patient*innen an mich. Das lief damals über das sogenannte Delegationsverfahren, weil es noch keine Kassensitze für Psycholog*innen gab. Dies kam erst 1999.

Roma: Du hast dich ja für Verhaltenstherapie entschieden. Welche Gründe waren dafür ausschlaggebend?

Hardi: Mitte der 1990er Jahre zeichnete sich ab, dass die Psycholog*innen unter bestimmten Voraussetzungen ins kassenärztliche System integriert werden sollten. Ich musste mich zwischen zwei Therapierichtungen entscheiden: Der tiefenpsychologisch fundierten und der Verhaltenstherapie. Ich entschied mich für letztere, weil ich die Chance bekam, dort eine Ausbildung zu machen und weil mir gefiel, dass an pragmatischen Lösungen für seelische Probleme gearbeitet wurde.

Roma: Interessant! Du hast dich ja auch weitergebildet als Familientherapeut. Wie kommt es, dass du in dem Gebiet nicht mehr arbeitest? Erzähl doch mal.

Hardi: Die Arbeit als Familientherapeut hat mir großen Spaß gemacht, ist aber nach meinem Dafürhalten nur zu zweit durchführbar, weil in einer Sitzung mit – sagen wir 2 Kindern und ihren Eltern – sehr viel passiert. Meine damalige Kollegin und ich waren ein perfekt eingespieltes Team. Als sie dann aus familiären Gründen nach Süddeutschland umziehen musste, habe ich leider keine Person gefunden, die ähnlich gut harmonierte.

Roma: Sehr vielfältig das Ganze. Jetzt ist es ja so, dass du nicht nur Therapie anbietest, sondern auch eine sehr breitgefächerte Diagnostik (beispielsweise auch für LRS und Dyskalkulie). Hat sich das über die Jahre entwickelt oder hast du von Beginn an alle Diagnostikbereiche abgedeckt?

Hardi: Ich begann ja mit der Entwicklungsdiagnostik für den Pädiater. Diese umfasste zunächst Intelligenztests und Tests der visuellen Wahrnehmung sowie der Motorik. Im Laufe der Zeit bildete ich mich dann in den Bereichen Legasthenie, Dyskalkulie, ADHS und Autismus-Spektrums-Störungen weiter.

Roma: Ich merke schon, in jedem der Punkte verstecken sich viele Themen, die eine Vertiefung im Blog verdient haben. Gibt es ein paar Bereiche, die du unseren Leser*innen verraten magst, die du in den nächsten Wochen hier im Blog näher beleuchten möchtest?

Hardi: Da gibt es sehr viele. Für den Anfang wären mir folgende Themen wichtig: • Hochbegabung • die häufige Unterdiagnostizierung von Mädchen bei ADHS und Autismus und – als Einblick in die Therapie – • das Vorgehen bei selbstverletzendem Verhalten von Patient*innen.

Roma: Danke Hardi! Vielen Dank auch an alle Leser*innen! Wir sind bald mit dem nächsten Blogbeitrag zurück.

* Da Eberhard Schlie und ich uns duzen, behalten wir das für unser Gespräch anlässlich des ersten Blog-Beitrags bei.

Roma Maria Mukherjee und Hardi Schlie